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Die Tochter des Erzherzogs Joseph von Österreich (1776-1847) und Maria Henriette Anna von Habsburg-Lothringen (1799-1855) wuchs in Ungarn auf, interessierte sich besonders für Musik, Malerei und war eine begeisterte Reiterin. Eine ihrer Schwestern war 'Archiduchesse Elizabeth d'Autriche'
1853 heiratete sie in Brüssel den gleichaltrigen Leopold Louis-Philippe Marie Victor von Sachsen-Coburg und Gotha (1835-1909), Herzog (Duc) von Brabant seit 1840.
Aus der - unglücklichen - Ehe (Leopold betrog seine Frau schon kurz nach der Hochzeit mit einer Schauspielerin) stammten drei Töchter und ein Sohn.
Die Tochter Louise von Belgien (1858-1924) wurde mit Prinz Philipp von Sachsen-Coburg und Gotha verheiratet. In der Hochzeitsnacht in Laeken wurde sie im Gewächshaus von Laeken von einem Gärtner gefunden; dorthin war sie - wohl unaufgeklärt über die Geschehnisse in einer solchen - geflohen. Später sorgte sie mit ihren Liebschaften für Skandale, ihre Eltern verstießen sie; sie war eine Zeitlang im Irrenhaus.
Ihrer Tochter Stephanie Clotilde Luise Hermine Marie Charlotte von Belgien (1864-1945) wurde die Rose 'Stéphanie et Rudolphe gewidmet.
Als 1869 ihr Sohn Leopold Ferdinand Élie Victor Albert Marie von Belgien (1859-1869) neunjährig an einer Lungenentzündung starb, nachdem er in einen Teich des Schloßparks Laeken gefallen war, zerbrach etwas in ihr. Sie wurde noch einmal schwanger, um den heißersehnten Kronprinz zu bekommen, doch es war wieder "nur" ein Mädchen. Nach der Geburt ihrer Tochter Clémentine Albertine Marie Léopoldine von Belgien (1872-1955) wandte sich Leopold nun, da sie keinen Thronfolger brachte, ganz von ihr ab.
1865 bestieg Leopold II. den Thron von Belgien. Er hatte beträchtliches Privatvermögen von seinen Eltern ererbt und dieses erfolgreich durch Spekulationen in Anteilen des Suezkanals vermehrt. Mit diesem Geld gründete er 1885 den Kongo-Freistaat; dort erzielte er durch den wachsenden Weltbedarf an Gummi Einkünfte in Millionenhöhe. Leopold ließ das Land u.a. zur Finanzierung eines umfangreichen Bauprogramms in
Brüssel, zum Ausbau seiner Residenz Schloß Laeken systematisch und skrupellos plündern und errichtete zu diesem
Zwecke ein grausames Kolonialregime, dem wohl 10 MIllionen Kongolesen zum Opfern fielen (Kongogreuel).
1873 gab er dem Architekten Alphonse Balat, Lehrmeister des berühmten belgischen Jugendstilarchitekten
Victor Horta, den Auftrag zum Bau einer gläsernen Stadt inmitten der hügeligen Parkanlandschaft, der sich an das im klassischen Stil gebaute Schloss von Laeken anlehnte und deren Ausstrahlung mit dem Jugendstil weltweit zum Tragen kam. Im viereckigen Kongohaus wollte Leopold die Pflanzenwelt des Kongos in diesem speziellen Gewächshaus ausstellen. Dieser Versuch scheiterte
jedoch. Die Gewächshäuser waren für König Leopold allerdings nicht nur ein größenwahnsinniges Prestigeprojekt, sondern entsprangen seiner
Leidenschaft zu exotischen Pflanzen. Leopold wandelte um die Jahrhundertwende diesen Besitz in eine königliche Schenkung um und übergab ihn dem Staat. In den Schenkungsbedingungen ist unter anderem festgelegt, dass das Volk während zweier Wochen im Jahr Zugang zu den königlichen Gewächshäusern hat. Diese Tradition wird heute noch aufrecht erhalten. Jedes Jahr im Frühling
sind die Gewächshäuser
von Laeken der Öffentlichkeit für zwei oder drei Wochen lang zugänglich und es strömen Tausende von Besuchern an der mit Kamelien und Azaleen geschmückten Büste Leopolds II. vorbei. Es gibt noch einige der ursprünglichen, außerdem
neuere seltene, auch exotische Pflanzen, zahlreiche Palmenriesen und Blumenteppiche. Die Laekener Kameliensammlung gilt heute als die älteste und wichtigste Sammlung dieser Größenordnung. Die Namen der einzelnen
Baukörper weisen auf ihre Funktion hin: Wintergarten, Palmenpavillon, Speisesaalgewächshaus,
Theatergewächshaus, Spiegelgewächshaus und Diana-Gewächshaus. In der Orangerie kann man auf hundert Metern Länge bedeutende
Apfelsinen- und Lorbeerbaumsammlungen bestaunen, in den Gängen eine wunderbare Fuchsiensammlung.
Leopold zeugte außerdem zwei nichteheliche Söhne, deren Mutter, seine Mätresse er im Palmenpavillon - nicht legitim- kurz vor seinem Tod heiratete. 1908 verurteilten die Regierungen Großbritanniens und der USA das Herrschaftssystem Leopolds im Kongo; er wurde zu einer der meistgehassten Personen Europas. Leopold starb am 17. Dezember 1909; seine sterblichen Überreste wurden beim Trauerzug von der
belgischen Bevölkerung ausgebuht. Auf den Thron folgte ihm sein Neffe Albert I.
Marie Henriette galt als kalt und unzugänglich, erzog ihre Kinder sehr streng und mit unerbittlicher Disziplin erzogen. Ihre einzige Liebe und Leidenschaft galt ihren ungarischen Pferden. Doch andererseits half sie ihrer Schwägerin Charlotte von Belgien, (die sie eigentlich nicht leiden mochte), die Gattin von Erzherzog Ferdinand Maximilian (der in Mexiko City das Museum of Natural History begründete) und als solche unter dem Namen Carlota kurze Zeit Kaiserin von Mexiko. Charlotte war nach der Hinrichtung ihres Gatten geistig verwirrt und Marie Henriette reiste 1867
nach Triest, wo Charlotte im Gartenhaus (Castelletto) ihres Schloßes Miramare in Triest eingesperrt worden war, um sie "nach Hause" zu holen. (Später lebte Charlottes Nichte Stephanie im Schloß Miramare). Man
brachte sie im Schloß Tervuren in Meise unter, das 1879 abbrannte. Charlottes Bruder ließ dann die Besitztümer von Meise und Bouchout vereinen, um der Kaiserwitwe ein neues Zuhause zu bieten. Leopold besuchte seine Schwester nie, aber Marie Henriette und ihre Töchter Stephanie kümmerten sich um sie. Charlotte starb dort im hohen Alter von 87 an Lungenkrankheit am 19. Januar 1927. Heute befindet sich auf dem Gelände der Nationale Botanische Garten Belgiens. Jedes Jahr stellen sich die Gärtner in Meise einem anderen Thema.
Marie Henriette erwarb 1895 das Hotel du Midi (heute Museum Musée de la Ville d`Eaux) im Kurort Spa (der Name des Ortes steht heute international für Bäder und Wellness), wo sie schon jahrelang die Sommertage verbracht hatte und verwandelte es in ihre königliche Altersresidenz. Einsam starb sie dort am 19.September 1902. Die Beisetzung fand 22. September in Anwesenheit von Leopold und seinem Neffen Prinz Albert statt. Ihre Tochter Stephanie war zur Beerdigung angereist, doch als sie am Sarg Abschied nehmen wollte, verjagte ihr Vater sie aus der Kapelle.
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