Alfred Krupp, der Sohn von Friedrich Krupp (1787–1826), machte aus der 1811 gegründeten Fabrik seines Vaters einen
Weltkonzern und die bis dahin eher unbedeutende Stadt Essen zum wirtschaftlichen
Zentrum des Ruhrgebietes.
Um 1870 ließ Alfred Krupp größere Arbeitersiedlungen
mit Schulen und Konsumanstalten bauen. Die Gartenstadt-Idee, die in der
Mitte des 19. Jahrhunderts in England aufgekommen und von Ebenezer Howard
1898 formuliert worden war, wurde bei dieser Siedlung bereits in Ansätzen
verwirklicht. Die Siedlung Altenhof bestand aus einer ganzen "Flucht
von schmucken Villen aus Holz und Backsteinen, [...] die inmitten von Gärtchen
und jungen Bäumen einen hübschen, lachenden Anblick gewähren
und durch grün angestrichene Gitter von der Straße getrennt
sind", wie es in einem Artikel des französischen Journalisten
Jules Huret heißt, der das Ruhrgebiet zu Beginn des 20. Jahrhunderts
bereiste.
Zitat von Alfred Krupp:
Ich glaube, daß es ökonomisch und sittlich erwogen,
sehr nützlich ist, die Arbeiterfamilie für Gartenkultur zu gewinnen.
Die Männer verlieren den Zug zum Wirtshaus und Frauen und Kind haben
Freude an der Ernte.
Sitz der Firma war die "Villa Hügel", mit 269 Räumen auf
einer Fläche von 8100 m² verteilt das größte Einfamilienhaus
in Essen, und sogar von ganz Deutschland. 1873 fertiggestellt, diente das
Gebäude gut sieben Jahrzehnte lang gleichzeitig als Wohnhaus und Repräsentationsgebäude
für drei Generationen.
Villa Hügel liegt in einem 28 Hektar großen Park an prominenter Stelle über dem Ruhrtal und dem (damals allerdings
noch nicht existierenden) Baldeneysee.
Auf dem riesigen Gelände, as 60 Meter Höhenunterschied
überwindet, entstand ab 1869 die Gartenanlage, gegliedert in einen
oberen und einen unteren Terrassengarten. Im Gegensatz zu der formal-architektonischen
Prägung des oberen Gartens war der untere Garten „landschaftlich“
gestaltet, mit Bäumen, Teich, Grotte, Rasenflächen und einem
geschwungenen Wegesystem. Rechteckige Rasensegmente, ein Lindenhain, Springbrunnen,
Teppichbeete, Mauern und ein umlaufender Laubengang mit Pavillons gaben
dem oberen Garten sein Gesicht. Der obere und der untere Garten waren durch
eine Pavillontreppe verbunden (heute durch einen Rasenhang). Gewächshäuser
und Obst- und Gemüsegärten wurden angelegt, eine Gärtnerei
errichtet.. Da Alfred Krupp "einen Wald von Bäumen um die Besitzung
... "noch bei Lebzeiten genießen" möchte, ließ er fünfzigjährige
Buchen, Eichen, Platanen, Tannen und Fichten in den Park verpflanzen.
Während unter Alfred Krupp hauptsächlich einheimische Pflanzen
den Weg in den Park fanden, änderte sich dies nach seinem Tod. Unter
Friedrich Alfred Krupp (1854-1902) und später Bertha Krupp von Bohlen und
Halbach wandelte sich der Park mehr und mehr zu einem Repräsentationsobjekt.
So wurden zunehmend seltene und exotische Pflanzen, wie die Anlage einer
Orchideenzucht unter dem Nachfolger Betes Friedrich Veerhoff zeigt, eingesetzt.
Die sogenannte "Bereinigung" im Jahre 1981 prägt das heutige
Erscheinungsbild der Gesamtanlage. Ein Teil der großen Gehölzvielfalt,
die den Krieg unbeschadet überstanden hatte und etliche Gebäude
fielen entsprechenden Maßnahmen zum Opfer. Große landschaftlich
gestaltete Rasenflächen und Reste des alten Baumbestandes lassen die
ursprüngliche Gestaltungsabsicht nicht mehr erkennen, die Zonierung
des Parks ging verloren.Dennoch lädt der Park den Besucher heute zu
ausgiebigen Spaziergängen durch abwechslungsreiche Wald- und Wiesenflächen
und zu den botanischen Besonderheiten ein und ist Bestandteil der Route
Industriekultur. Sehenswert ist die historische Sichtachse von Tor
II zum Haupthaus mit Solitär- und Gruppenpflanzen von Großbäumen
und Rhododendren.
Nach dem frühen Tod des Sohnes von Alfred Krupp, Friedrich Alfred,
der die Firma übernommen hatte und dem der deutsche Züchter
Nicola Welter 1903 posthum eine remontierende, gefüllte Teerose
'Friedrich Alfred Krupp' widmete, wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft
umgewandelt, bei der die Aktien weitestgehend im Besitz der älteren
Tochter und Erbin Bertha Krupp von Bohlen und Halbach (1886 - 1957) blieben.
Die "Stiftung für Wohnungsfürsorge" - gegründet von
Margarethe Krupp, seit 1902 verwitwete Ehefrau von Friedrich Alfred, beauftragt
e1908 den Darmstädter Reformarchitekten Georg Metzendorf (1874-1934)
mit den Plänen für eine Siedlung für alle Essener Bürger,
nicht nur für die Kruppianer. Sie wurde nach der Stifterin "Margarethenhöhe"
genannt und bildet heute einen eigenen Stadtteil von Essen.
Seit 1987 steht die im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstörte,
aber rekonstruierte Gartenvorstadt unter Denkmalschutz.
Der älteste Sohn von Bertha Krupp von Bohlen und Halbach, Alfried,
der mit der Umwandlung des Unternehmens in eine Einzelfirma der letzte
Alleininhaber war, gründete die "Kulturstiftung Ruhr" mit der satzungsgemäßen
Aufgabe, "dem kulturellen Leben im Ruhrgebiet neue Impulse zu geben und
ihm Maßstäbe und Ziele zu setzen".
Seit 1953 finden dort national und international bedeutende Kunstausstellungen
statt und so ist die Villa Hügel - mit ihrem Park - ist bis heute
eines der wichtigen kulturellen Zentren des Landes.
Nach dem Tod Alfried Krupp von Bohlen und Halbachs im Jahr 1967 wurde
die gemeinnützige Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung Eigentümerin
des Unternehmens. Sie ist heute als Aktionärin maßgeblich an
der Thyssen Krupp AG beteiligt.
Quelle u. a. Spur
einer Industriellenfamilie - Essen und die Krupps
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