| Die Rosenliebhaberin Marie Henriette Gräfin Chotek (Kusine der österreichischen Erzherzogin Sophie Maria Josephine Albina Gräfin Chotek von Chotkowa und Wognin (geb. 1868; gestorben beim Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914), deren Rosarium in Unter-Korompa bei Türmau in der Donaumonarchie zu Anfang des 20. Jahrhunderts berühmt war, erwarb nach dem Tod von Rudolf Geschwind (1910) einen Großteil seiner Rosen und brachte auch einige Sorten Geschwinds posthum
noch in den Handel. Es ist Marie Henriette Chotek zu verdanken, daß das Sangerhausener
Rosarium heute noch 29 Geschwind-Sorten besitzt.
Die Gräfin, einem böhmischen alten Adelsgeschlecht vom Stammsitz Chockov enttammend, begann Ende des 19. Jahrhunderts
im Park des ungarischen Grafen Chotek, den der deutsche Landschafsarchitekt
Christian Heinrich Nebbien (1778-1841) als Landschaftspark gestaltet hatte,
ein Privatrosarium aufzubauen, das sich zehn Jahre später mit
dem von Gravereaux in L'Hay
messen konnte. Im Rosenbuch
von Olbrich wird ihr Rosarium einigemal rühmend erwähnt.
Die Sorten- und Preisliste der Gräfin von 1929 verzeichnet 885 Rosensorten,
davon 228 Schlingrosen, 33 Bourbonrosen, 210 Parkrosen aller Klassen; der
Rest waren Polyanthas und Edelrosen; das Vorwort des Kataloges erwähnt,
daß 6 000 Rosen in Dolna Krupa angepflanzt waren. Sie war Mitglied
des VDR und kam oft zu den Rosenkongressen nach Deutschland. Peter
Lambert, Wilhelm Kordes (1927 wurde sie Taufpatin für
Peter Kordes), Johannes Böttner (dessen Multiflora-Hybride 'Fragezeichen' (1910)
vor dem Wohnhaus der Gräfin eine Hecke bildete) zählten neben Geschwind zu ihren Freunden.
Hermann
Kiese hatte der Gräfin 1911 schon eine von ihr selbst auf dem Rosenkongress
in Liegnitz 1910 ausgesuchte Rose gewidmet: 'Gräfin Chotek').
Um 1934 geriet die Gräfin in finanzielle Schwierigkeiten, das Rosarium
verfiel; an seine Rettung dachte niemand. So begann die Zeit ihr Zerstörungwerk
und der Rest wurde durch den zweiten Weltkrieg zerstört. Unter-Korompa
heißt nun Dolná Krupá , Türnau jetzt Trnavca,
denn die Donaumonarchie existierte nicht mehr, das Gebiet gehörte
erst zur Tschechoslowakei , heute zur Slowakei.
Im Rosenjahrbuch 1938 wird das Rosarium in Dolna Krupa das letzte
Mal erwähnt in einem Artikel von Dr. Rudolf Limbacher "Das Rosar der
Stadt Bratislava (Preßburg)" (das ab 1937 nach einem Besuch bei der
Gräfin 1934 aufgebaut und 1937 eingeweiht wurde).
Die erhalten gebliebenen Objekte des ehemaligen Besitztums stellen
heute nur noch den Torso eines wertvollen Denkmals
dar, denn der Besitz wechelte mehrmals den Besitzer; das Herrenhaus war
eine Zeitlang eine Irrenanstalt und ist heute ein Heim für Komponisten
(hier soll Beethoven die Mondschein-Sonate komponiert haben, Beethoven-Denkmal
im Ort). Gräfin Chotek soll in der Dorfkirche von Dolna
Krupa begraben sein.
Die Altdorfer
Rosenfreunde haben 2001 auf Einladung des Bürgermeisters
von Dolna Krupa (im Rahmen des deutsch-slowakischen Rosenfestes in der
Wallensteinstadt und in Winkelhaid ausgesprochen), über 1500
gespendete Rosenstöcke in Dolna Krupa gepflanzt, doch leider scheitern
weitere Versuche der Freundschaft zwischen den beiden Städten wohl
an den politischen Zuständen... Im Arboretum Borova in Zvolen ('Arboretum Borova Hora', Chorvát Slovakia 2002) befindet sich jedoch eine größere Rosensammlung
mit Sorten aus der Zeit der Gräfin.
Foto
der Gräfin und ausführliche Biographie (auch Quelle) |