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Gebrüder Schultheis - Artikel: Die neue Rose 'William Francis Bennett'
aus "Deutsche Garten-Zeitung" Heft 5 Jg.1 vom 3.2.1886 (m. farb.Abb. der Rose)
Diese Rose entstand aus Kreuzung der Theerose President und Xavier
Olibo.
Der Wuchs ist mässig, dicht verzweigt, Blatt tief dunkelgrün,
Knospen langgestreckt, Farbe karminroth, wie Géneral Jacqueminot,
ungeheuer reichblühend. Es ist bis jetzt nachweislich die feinste
rothe Rose, auch als Winterblüher im Treibhause, speciell zur Glaskultur
für Schnittblumen das ganze Jahr hindurch. Die ganzen Vorräthe
dieser Sorte wurden 1884 von Mr. Bennett an die Blumenhandlung Mr. Evans
in Philadelphia verkauft, welche bereits mehr als 25.000 Pflanzen in den
Vereinigten Staaten verkauft hat.
Als im Jahre 1879 Benett in Stapleford zum ersten Male mit den sogenannten
Thee-Hybrid-Rosen vor die Öffentlichkeit trat, schüttelten die
meisten seiner Landsleute ungläubig die Köpfe über sein
Beginnen, sprachen ihm, besonders da er kein Gärtner war, jeden Erfolg
ab und behaupteten, das seine Rosen keinen Holzwuchs brächten, auch
nur für die Glaskultur gut wären. Erinnere ich mich doch immer
noch mit Vergnügen daran, als mir der alte William Paul in seinen
Treibhäusern Waltham Bennetts sechs erste Thee-Hybriden mit
den Worten zeigte: "Diese sind zu gar nicht gut, ausser zur Hauskultur"
- und welche Erfolge hat er seitdem mit seinen Sämlingen gehabt. Bei meinem Besuche bei Bennett zu derselben Zeit war Lady Mary Fitzwilliam,
Distinction, Countess of Pembroke und Heinrich Schultheis eben zum ersten
Male in den Häusern in Blüthe; welche Blütenpracht!
Doch lassen wir ihn selbst sprechen:
"Ich war lange Zeit Vermehrer der Rosen und ich habe in der Zeit
von 40 Jahren viele neue Einführungen kennen gelernt. Im Jahre 1863
fing ich an die Rosen zu meinem Studium zu machen und fand bald, daß
in der ganzen Zeit kein grosser Fortschritt gemacht war, und ich dachte,
dass durch verständige Kreuzung ein Fortschritt erzielt werden könnte.
Ich hatte grosse Erfahrungen bei Kreuzung der Hausthiere gemacht, und die
ausserordentlichen Fortschritte, welche Jahr für Jahr gemacht wurden,
sowohl auf dem animalen als auch im floralen Königreiche der Natur,
welche überall auf engste von denselben grossen Kräften geleitet
werden und sehr nahe zusammen fliessen, veranlassten mich und spornten
mich an zu meinen Versuchen. Im Jahre 1870 besuchte ich die Rosenschulen
in Lyon, aber nirgends war ein Fortschritt in den wissenschaftlichen Mitteln
bei der Kreuzung der neuen Rosen zu entdecken. Jean Sisley beklagte wiederholt,
dass er seine Kollegen in Lyon umsonst auf die künstliche Befruchtung
aufmerksam gemacht habe. Bei allem scharfen Beobachten sah ich, dass die
neue Sämlingszucht in Frankreich etwa gleich war mit der Rindviehzucht
auf den Prairien Mexikos, es war alles sich selbst überlassen, und
nur das beste der Naturprodukte wurde ausgewählt. Diese Beobachtung
machte mich sicher, dass hier noch ein weites, unbearbeites Feld vor mir
lag.
Ich versuchte und fand, dass viele Schwierigkeiten überwunden
werden mussten, ehe ich durch Befruchtung den ersten Samen ernten konnte,
fand, wie weit die verschiedenen Sorten in ihren individuellen Eigenschaften
auseinander gingen. Die Theerosen wurden öfter mit Remontantrosen
und umgekehrt gekreuzt. Ich fand, dass Moosrosen, Bengal etc. sich ebenfalls
leicht, die eine Art mit der andern, kreuzen liessen. Für meine Hauptversuche
benutzte ich gewöhnlich Alba rosea und President als Samenträger.
Zur Kreuzung benutzte ich Louis van Hutte, Victor Verdier etc. Meine Absicht
war, rein weisse und gelbe Remontanten - sowie purpurrothe, sehr hochfarbig
dunkle Theerosen zu erzielen. Inwieweit ich diese Aufgabe gelöst habe,
beweisen die heute in den Handel gegebenen ersten sechs Thee-Hybrid-Rosen."
Und wahrlich, Bennet hatte Recht, wie unsere heute vorliegende Theerose
beweist, welche nach meiner Ansicht die beste des Jahres 1886 ist. Im Jahre
1884 stellte Benett die Rose W. F. Bennett auf den englischen Rosenschauen
zu verschiedenen Malen aus. Sie wurde überall mit den ersten Preisen
bedacht und 4-oder 5 mal preisgekrönt. Mr. Benett aber gab sie nicht
in den Handel. Da erschien eines Tage die Blumenhändlerin Frau Evan
mit ihrem jungen Sohne bei Bennett in Shepperton. Sie waren gleich von
der Schönheit der neuen Rose so entzückt, dass sie Hernn H. Bennett
das alleinige Eigenthums- und Verkaufsrecht für die Rose um die Summe
von 5000 Dollar = 22.000 Mark abkauften. Es ist dies ein einzig in der
Rosengeschichte dastehender und bezahlter Preis für eine einzelne
Rose.
Nach Gardeners Chronicle v. 1. März 1883 erscheinen ganz wie
bei echten Theerosen, sobald eine Blume abgeschnitten, wieder drei andere.
Die Knospen von W.F. Bennett gleichen bis auf die Farbe ganz der wohlbekannten
Niphetos, man meint in der That eine reich glühende karminrothe Niphetos
vor sich zu haben. |
Kurzporträt
Züchtungen von Henry Bennett
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