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Rosengedichte

Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832)

Rose GoetheGoethe als Rosenfreundgoethe mit Rose in der Hand

Als Allerschönste bist du anerkannt,
Bist Königin des Blumenreichs genannt;
Unwidersprechlich allgemeines Zeugnis,
Streitsucht verbannend, wundersam Ereignis!
Du bist es also, bist kein bloßer Schein,
In dir trifft Schaun und Glauben überein;
Doch Forschung strebt und ringt, ermüdend nie,
Nach dem Gesetz, dem Grund Warum und Wie.

Rosen begleiteten den Dichter Johann Wolfgang von Goethe, den Naturfreund und Blumenliebhaber durch sein ganzes Leben. Das Okulieren auf Stämmchen hatte Goethe bereits als Kind in Frankfurt bei seinem Großvater Textor kennengelernt und wie er in "Dichtung und Wahrheit" schreibt
"erinnere ich mich gern, wie emsig er sich mit dem Okulieren der verschiedenen Rosenarten beschäftigt".

Der Rose Munterkeit soll mich erinnern,
daß auch mir im Lebensgarten
wie vordem noch manch holde Zierde blüht.

Sein Gartenhaus am Stern in Weimar war ganz eingehüllt in einen dichten Rosenmantel. Der Kieler Professor Hirschfeld erwähnt in seinem Buch "Theorie der Gartenkunst" bei der Beschreibung des herzoglichen Parks in Weimar auch "Goethens Garten": "Die Vorderseite des Wohnhauses war bis zum Dach mit Rosen überzogen, die eben damals in der Blüthe standen und das schönste und dichteste Rosengeländer bildeten, das man sehen konnte".

Als Liebesbote spielte die Rose in Goethes Leben eine wichtige Rolle; jahrelang gehörten die ersten Rosen seines Gartens der geliebten Charlotte von Stein. Am 3.3.1782 schreibt er ihr:

In der Hoffnung, meine Liebe heute bei mir zu sehen,
fang ich den Tag an, schicke ihr eine schöne Rose und wünsche,
daß ihr meine Neigung immer so schön vorkommen möge,
als diese Blume aussieht".
(aus: Briefe an Charlotte von Stein)

Aus dem Garten einen guten Morgen an den schönen Garten in dem mein Herz immer wie unter Rosen und Lilien spazieren geht. Diesen Nachmittag komm ich in die Stadt und frage bey dir an.
(aus Briefe an Charlotte von Stein).

Dir mit Wohlgeruch zu kosen,
deine Freuden zu erhöhn,
knospend müssen tausend Rosen
erst in Gluten untergehn.

Ist's möglich,daß ich Liebchen dich kose,
Vernehme der göttlichen Stimme Schall!
Unmöglich scheint immer die Rose,
Unbegreiflich die Nachtigall.

In seiner "Metamorphose der Pflanzen" berichtet Goethe von einer "durchgewachsenen Rose". (Durchwachsen nennt man eine Blüte, in deren Mitte sich das Wachstum des Sprosses fortgesetzt hat. Bei solchen selten auftretenden Mißbildungen zeigt sich eines der Wachstumsgesetze, denen Goethe auf der Spur war: Blütenblätter sind umbewandelte Laubblätter und daher kann beim "Durchwachsen" ihre alte Gestalt wieder hervortreten). Als sein einziger August heiratete, schenkte er der Schwiegertochter "eine solche "schöne und seltene Doppelrose". Mit diesem "Symbol des Zwei-in-Eins"- wollte Goethe dem jungvermählten Paar ihre Liebe und Verbundenheit im Bild der durchwachsenen Rosenblüte vor Augen führen.

Das Unvergängliche
Es ist das ewige Gesetz
Wonach die Ros und Lilie blühet.

Seinem künstlerischen Auge offenbaren sich Anmut und Schönheit der Rose in vielfältiger Form und die Rosen kommt in seinen Werken immer wieder vor - vom schlichten "Heideröslein" bis hin- auf in die großartige Vision der Rosen-Engel, die sich nach Faust`s Tod um sein Unsterbliches bemühen.

Rose Heideröslein Foto Christine Meile Heideröslein

Sah ein Knab ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden
War so schön und morgenschön,
Lief er schnell, es nah zu sehn,
Sah' s mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Knabe sprach, Ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!
Röslein sprach, ich steche dich,
Daß du ewig denkst an mich.
Und ich will's nicht leiden
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Und der wilde Knabe brach s'
Röslein auf der Heiden;
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihm doch kein Weh und Ach,
Mußt es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
(u.a. vertont von 'Johannes Brahms') 'Schubert' und Schumann)

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Über die Rosen, die zur Goethezeit (das bedeutet die zweite Hälfte des 18. und das erste Drittel des 19 .Jahrhunderts) in den Gärten angepflanzt wurden, geben Literatur, Rosenbilder und Baumschulkataloge dieser Zeit Anhaltspunkte.
Im Rosenjahrbuch Jg. 1938 gab es einen umfangreichen Bericht von Dr. Günther Schmidt in Halle, der sich mit den Rosensorten zur Goethezeit in Weimar befaßte (im RJB 1998 nachgedruckt). Darin heißt es:
"In seinen Schriften, einschließlich des umfangreichen Nachlasses in der Sophienausgabe der gesammelten Werke, ist von folgenden Rosen, die Goethe beobachtet hat die Rede: Rosa aciphylla, alpina, arvensis, canina, centifolia, cinnamomea, collina, dumetorum, glaucescens, rubiginosa....Ob er sie alle in seinem Garten hatte, ist ungewiß, da diese ihm jedoch auch im Weimarschen Park, in Belvedere, im Jenaer botanischen Garten, ferner in Privatgärten Weimars leicht zur Verfügung standen"

"Ich liebe die Rose als das Vollkommenste,
was unsere deutsche Natur als Blume gewähren kann;
aber ich bin nicht Tor genug,
um zu verlangen,
daß mein Garten sie mir schon jetzt,
Ende April gewähren soll...
Ich freue mich,
wenn ich im Mai die Knospe sehe
und ich bin glücklich,
wenn endlich der Juni
mir die Rose selbst in aller Pracht
und in allem Duft entgegenreicht".

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Viele Gedanken heben sich erst aus der allgemeinen Kultur hervor
wie die Blüten aus den grünen Zweigen.
Zur Rosenzeit sieht man Rosen überall blühen.

Im Juli 1830 schreibt er (damals war ja um diese Zeit die Rosenblüte schon wieder vorbei!)

"Nun weiß man erst,
was Rosenknospe sei,
Jetzt, da die Rosenzeit vorbei.
Ein Spätling noch am Stocke glänzt,
und ganz allein die Blumenwelt ergänzt".

Goethe führte sein Leben lang ein Tagebuch und erwähnt natürlich auch die Rose.

"Wenn der Sommer sich verkündet,
Rosenknospe sich entzündet,
Wer mag solches Glück entbehr`n?
Das Versprechen, das Gewähren,
Das beherrscht in Florens Reich
Blick und Sinn und Herz zugleich"

Am 20. 2. 1832 schreibt sich sein Gärtner die Arbeits-Anweisungen Goethes auf, in denen es u. a. heißt:

Reinigung der Rosen-Wände vom dürren und überflüssigen und Anbindung des Nöthigen.

"Hier hilft nun weiter kein Bemühn!
Sind Rosen, und sie werden blühen".

Zum Gemälde "Idyllen" von Wilhelm Tischbein schreibt Goethe:

"Glücklicher Künstler!
In himmlischer Luft bewegen sich ihm schöne Weiber,
versteht er sich doch auf Rosenduft
und appetitliche Leiber".

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Du weißt aber wenn die Blattläuse auf den Rosenzweigen sitzen und sich hübsch dick und grün gesogen haben, dann kommen die Ameisen und saugen ihnen den filtrirten Safft aus den Leibern. Und so gehts weiter, und wir habens so weit gebracht, daß oben immer in einem Tage mehr verzehrt wird, als unten in einem organisirt [darüber: beygebracht] werden kann.
(An Carl Ludwig von Knebel, Illmenau d. 17ten Apr. 82).

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weitere Goethe-Gedichte und Zitate, Biografie
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Interessant ist der Artikel von Hedi Grimm "Rosen der Goethezeit" im Rosenjahrbuch S. 103-116.

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