Müller, Dr. med. Hermann (1828-1914)
Weingarten / Pfalz Deutschland
Der passionierte Rosenliebhaber Dr. med. Hermann Müller, von Beruf Arzt und in Weingarten ansäßig, war ein überzeugter Vertreter der künstlichen Bestäubung und züchtete in seiner Freizeit und vor allem später nach dem Rückzug aus der Arztpraxis Rosen, bei denen er sich um Winterhärte und Krankheitsresistenz bemühte.
Sein Ausgangsmaterial waren die aus der gerade aus Japan eingeführten Rosa rugosa hervorgegangenen Sorten; sein erster Zuchterfolg damit war 'Thusnelda' im Jahr 1886,
auf die 1890 'Germanica' folgte.
Beide befinden sich noch heute in Kultur.
Die heute wohl bekannteste seiner Züchtungen, 'Conrad
Ferdinand Meyer' ,
wurde von Lambert 1899 in den Handel gebracht und ist wichtiger Elternteil z. B. einiger Austin-Rosen.
Der Franzose Gravereaux bot ihm an, 32 seiner Züchtungen auf der Weltausstellung in Paris 1902 zu zeigen, was dazu führte, daß sie oft als französische Züchtung
ausgegeben wurden. Müllers 'Les Rosati' war damals eine beliebte
Sorte, wird aber deshalb oft Gravereaux zugeschrieben.
Als Müller im Jahr 1914 verstarb, hinterließ er nahezu zweihundert eigene Züchtungen, darunter einige ausgesprochene ungewöhnliche
Sorten wie beispielsweise 'Gottfried Keller', die - obwohl
schon 1894 gezüchtet, erst 1902 durch Froebel in den Handel kam. Froebel führte auch seine 'Johanna Sebus' 1894 ein.
In L`Haÿ -les -Roses sollen heute noch - mittlerweile unbekannte - Rosen von ihm stehen.
Quelle u. a. Joyaux, der schreibt: "Unbestreitbar war Hermann Müller einer der großen deutschen Amateurzüchter".
Müller, Karl (1870-1967)
Almrich, heute Naumburg Deutschland
Von Beruf war der Liebhaberzüchter Karl Müller Glasmaler.
Seines Namens wegen nannte man ihn "Rosen-Müller". Er gründete eine eigene Gärtnerei, die später von seinem Sohn Erich
(der vorher bei Kordes beschäftigt war) übernommen wurde. Seine Töchtern Marthe und Kläre arbeieten ebenfalls im Betrieb mit. Im zweiten Weltkrieg wurde der Sohn in den Krieg eingezogen. Jetzt überhahm der Sohn Willy, der wegen einer Behinderung (er hatte bei einem Unfall beide Hände verloren) die Leitung des Betriebes und rettete ihn über die Kriegs- und Nachkriegszeit.
Als Erich nach dem Kriege zurück kam, übernahm er wieder die Leitung und wurde ein von der DDR anerkannter Rosenzüchter.
Lidice in Tschechien nahe bei Prag war ein Dorf, das von der SS und deutschen Truppen 1942 als Rache für ein erfolgreiches Attentat der Widerstandsbewegung an dem hohen SSFunktionär und stellvertretendem Reichsprotektor Heydrich vernichtet wurde. Alle Männer aus Lidice wurden erschossen, die Frauen wurden in Konzentrationslager gebracht und die Kinder zum größten Teil vergast; das Dorf wurde dem Erdboden gleich gemacht und nur wenige haben überlebt. Zu Kriegsende hatte sich in Großbritannien ein Verein "Lidice wird weiter leben" konstituiert. Das Areal des ehemaligen Dorfes Lidice wurde zu einer großen Gedenkstätte gestaltet. Zwischen den neuen Häusern und der Gedenkstätte entstand 1955 der Rosengarten, der daran erinnern sollte, dass das Massaker zur Rosenblütenzeit stattgefunden hatte. (Quelle). Als 1957 nach die Aktion "Rosen für Lidice" gestartet wurde, stiftete "Rosen-Müller" neben dem britischen Rosenzüchter Wheatcroft (der 1961 eine Florbunda 'Lidice' benannte) einen beträchtlichen Teil der Rosen für den "Rosengarten der Freundschaft und des Friedens" in Lidice.
Am 10. Mai 1968 stirbt Karl Müller. Sein Sohn Erich führte bis ins hohe Alter den Betrieb weiter, doch dessen Kinder hatten kein Interesse am Betrieb. So wurde das Grundstück verkauft und nichts erinnert mehr an die einstige Rosenfirma.
Ihm gewidmete Rose: 'Rosen-Müller' von Vogel 1940
(Quelle)
Züchtungen von "Rosen-Müller":
1927: 'Rosargärtner Richard Vogel' (rosa TH)
Richard Vogel, aus Frankfurt am Main stammend, war der erste Rosariumsgärtner in Sangerhausen.
Ebenfalls 1927: 'Turnvater Jahn', weiße Remontant-Hybride mit rosa Zentrum.
"Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn (11. 8.1778-1852) war der Initiator der deutschen Turnbewegung. Der Turnerwahlspruch "Frisch, fromm, fröhlich, frei" geht auf ihn zurück. Die deutsche Post gab zum 200. Geburtstag 1978 eine Gedenkbriefmarke heraus. Die Rose erschien zum 175. Todestag Jahns.
Buchtipp: Friedrich Ludwig Jahn: Frisch, frei, fröhlich und fromm! Biografie von Oliver Ohmann
1928: 'Gruß an Naumburg' - zur 900-Jahrfeier der Stadt taufte der Oberbürgermeister seiner Heimatstadt diese Rose mit Saalewein.
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