| Die Frau des englischen König und
Kurfürsten von Hannover Georg III. (1738-1820) war die aus Deutschland
stammende Prinzessin Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz (1744-1818)
geboren in Mirow / Mecklenburg.
Ihr Bruder Herzog Karl war der Vater der
Königin Luise von Preußen. Ihr Bruder, Adolph Friedrich IV., von 1753
bis 1794 regierender Herzog von Mecklenburg-Strelitz, ging
als (unrühmlicher) „Dörchläuchtig“
in Fritz Reuters gleichnamigem Roman, der die Zustände zu Zeiten der
Leibeigenschaft in Mecklenburg thematisiert, in die Literatur ein.
Am 8. September 1761 heiratete sie
den König Georg III. von England. Dieser hatte wegen seiner Vorliebe für das Landleben den Spitznamen "Farmer George" (Bauer Georg). Charlotte bekam 15 Kinder
(mehr als alle anderen Monarchen der britischen Geschichte). Zwei
ihrer Söhne wurden später Könige des Vereinigten Königreichs,
ein Sohn König von Hannover und eine Tochter Königin von Württemberg. Ihrem Sohn Adolph Friedrich, Herzog von Cambridge wurde die Rose 'Duc de Cambridge' gewidmet.
Das Königspaar residierte in Kew Palace,
südöstlich von London inmitten eines riesigen Landschaftsparks,
auf dessen botanische Gärten die
Königin großen Einfluss nahm (versteckt zwischen hohen Bäumen
in einer eher abgeschiedenen Ecke des heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden
Parks steht noch heute das Sommerhaus der Queen, das Georg III. seiner
Königin zur Hochzeit schenkte). Kew Gardens zählt zu den schönsten
Gärten Großbritanniens, was nicht zuletzt dem großen Interesse
der gebürtigen Mecklenburgerin zu verdanken ist. Die Königin
und ihre Töchter nahmen sogar Unterricht in der Botanik bei Sir James
Edward Smith, dem englischen Naturforscher und ersten Präsidenten
der Linné-Gesellschaft.
Der Naturwissenschaftler Joseph Banks, der damalige
Direktor des botanischen Gartens Kews, benannte eine neu entdeckte Pflanze
zu Ehren seiner Königin in Anlehnung an deren Herkunft "Strelitzia
reginae" (Strelitzie). Die "Queen of Botany", wie Königin Charlotte
genannt wurde, schickte kurz vor ihrem Tod ihrer Familie in Mecklenburg-Strelitz ein Exemplar und so kam es, daß die Paradiesblume Pardiesvogelblume, Flamingoblume) in Neustrelitz zum ersten Mal auf deutschem Boden erblühte und bis heute als offizielle Blume der Stadt gilt und darf in offiziellen oder privaten Blumenbouquets der stadt nicht fehlen. Auch dem Stadtmaskottchen "Strelitzius", einem Blumenmännchen mit Blumen-Vogel-Kopf und Donald-Duck-Augen, diente sie als Vorlage.
(Ob die Anemone japonica 'Königin Charlotte' und Viola odorata 'Königin Charlotte' auch ihr gewidmet sind,
konnte ich nicht ausfindig machen, ich vermute es einfach mal). Auf Charlottes
Initiative hin kam auch der englische Gartengestalter Thompson ins Strelitzer
Land. Er gestaltete den Schlosspark
Hohenzieritz und machte sich auch um Landwirtschaft im Herzogtum verdient.
Ihre Wohltätigkeiten waren Legende.
Krankenhäuser wie das berühmte, von Charlotte gegründete
Queen's Lying-in Hospital in London, Waisenhäuser, "heruntergekommene"
Musiker und unzählige arme Familien konnten sich auf ihre großzügige
Patronage berufen.
Die Königin förderte auch den berühmten
Keramiker Josiah Wedgewood (Großvater von Charles
Darwin) bei der Herstellung von „cremefarbigem Steingut. Wedgwood darf
sich "Potter of her Majesty", Töpfer seiner Majestät, nennen
und sein neues Produkt, das u. a. Motive von Blättern, Früchten,
Blumen zeigt, heißt nun "Queen's Ware" und wird zum Exportschlager.
Während der Herrschaft ihres Gatten gingen
zahlreiche Kolonien in Nordamerika verloren, die sich zu den Vereinigten
Staaten zusammenschlossen Das lebensgroße Porträt, das Nathaniel
Dance um 1769 von Charlotte malte, zeigt sie noch als "The last Queen of
America".
1768 nannten königstreue Siedler in Carolina
(heute US-Bundesstaat North Carolina), die Region um sich nach der Heimat
Sophie Charlottes "Mecklenburg "(heute Mecklenburg-County) und ihre Siedlung
" Charlottetown" - heute "Charlotte" (Krefelds Partnerstadt) . Der
Künstler Raymond Kaskey fertigte eine Statue Charlottes an, die die
Gäste der Stadt am Flughafen begrüßt - die
mecklenburgische Freiheitsstatue.
Auch "Queen
Charlotte Islands", daas Archipel vor der Nord-West-Küste
von British Columbia in Kanada wurden von Kapitän George Dixon nach
seinem Schiff, der Queen Charlotte, benannt, diese wiederum hatte ihren
Namen von der Königin.
Ihr Ehegatte, "Mad King George" ist in England
bis heute legendär – vor allem, weil er mit Bäumen geredet haben
soll. Sein über drei Jahre erlittener Irrsinn ist neuen Erkenntnissen
zufolge wahrscheinlich auf die damals beliebten Kräftigungstinkturen
zurückzuführen, die nur allzu oft eine gehörige Dosis Arsen
enthielten.
Der Koch Marie-Antoine
Carême (1784-1833), der bei ihrem Sohn George IV in Diensten war,
soll die kalte Süßspeise "Charlotte à la parisienne"
nach Charlotte benannt haben, weil sie diese Köstlichkeit so
liebte. Sein Dessert wurde in Frankreich später "Charlotte russe"
genannt und ist unter diesem Namen international bekannt. Charlotte ist
heute allgemein die Bezeichnung für zwei verschiedene Süßspeisen,
eine warme und eine kalte. Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass beide
in einer Form zubereitet werden, die mit Löffelbiskuits oder Biskuitschnitten
ausgelegt wird, früher ursprünglich mit Weißbrotscheiben.
Es gibt mittlerweile zahlreiche Rezeptvarianten der kalten Charlotte mit
eigenen Beinamen, teilweise mit Fruchtpüree, Gelee, Speiseeis oder
Alkohol. Eine Variante ist die "Charlotte Malakoff", die mit Schokoladenglasur
auch als "Malakofftorte" bezeichnet wird.
(Quelle u. a. Tourismusverband
Mecklenburg-Vorpommern)
Buchtipp:
Jipp, Karl E. Die
Strelitzie und ihre abenteuerliche Geschichte Der Weg einer exotischen
Blume von Südafrika um die Welt Bertelsen-Jipp 2006
Linktipp:
Die
Strelitzie ist Symbol Madeiras
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