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Rosenrezepte - Auszug aus dem Kräuterbuch von Jacobus Theodorus Tabernaemontanus anno 1625
Von Rosenzucker, Rosenhonig, Rosen-Julep, Rosenwein und Rosenessig

Von Rosen Zucker, CONSERVA ROSARUM

Der Rosen Zucker kan also bereytet werden:Nimm der besten unnd edelsten unnd wolriechenden Rosen/ welche du haben kanst/ wann der Himmel hell ist/ und sie noch etwas in Knöpffen seyn/ also frisch vom Stock abgebrochen/ so viel du wilt/ schneide die Näglein mit einer Scheer davon/ lege sie auff ein Tuch/ ein anders zweyfach oder dreyfach darüber/ dass sie wol bedeckt seyn zween oder drey Tag in einem beschlossenen Gemach/ unnd lass verwelcken/ als dann zerschneids oder zerstoss klein/ mit einem höltzin Stössel und steinen Mörser: Nimm allweg auff ein Theil solcher Rosen/ zwey Theil guts Zuckers/ stoss wol unter einander/ fass in ein Glass/ und stelle es wol vermacht drey Monat an die Sonnen/ alle Tag einmal oder zwey umbgerühret.

(Andere nehmen der zerstossenen Rosen acht Loth/ Zucker ein Pfundt/ unnd wann es genug zerstossen/ thun es in ein Küpfferne Pfanne/ giessen darzu ein Loth Rosenwasser/ wärmen es uber einem linden Kolfeuwer/ biss es ein wenig auffwalle/ mischen es ohn Unterlass mit einem Spatel: etliche nehmens vom Feuwer/ thun es in ein Glass/ zugemacht/ unnd stellens an die Sonn auff etliche Tag.)

Dieser Rosenzucker hat eine Krafft den schwachen Magen zu kräfftigen/ die scharpffe hitzige Gallen zu lindern/ ist gut wider das Unwillen dess Magens.

Er stärcket auch unnd keäfftiget das Hirn unnd das Hertz/ miltert die jnnerliche Hitz. Er feuchtet auch die verdorrete Zungen/ Kälen/ Brust unnd Lungen/ sonderlich wann er noch frisch ist:Wann er aber alt worden/ so stopffet er/ und wirdt gebraucht wider das Blutspeyen/ wider die rohte Ruhr und andere Bauchflüss.

Jn den hitzigen Febern sol man Rosenzucker mit Brunnenwasser vermischen/ darnach durch ein Tuch treiben/ und dem Krancken den durchgetriebenen Safft zu trincken geben/ das kühlet/ erlabet/ und erquicket den Krancken.

(Etliche/ darmit er kräfftiger seye/ mischen sie den SPIRITUM VITRIOLI darunder. Etliche zerlassen den Zucker in Rosenwasser/ und siedens zur Lattwergen/ thun hernach die zerstossenen Rosen darzu/ mischen ein wenig Agrest darunder oder Pomerantzensafft/ das macht jhm ein schöne Farb/ und erhelts also ein gantzes Jahr unverendert/ so man den Zucker noch warmlecht in das Gefäss schüttet/ dass es oben ein Rind gewinnet.)

Den purgirenden Rosenzucker macht man also: Nimm zwölff Untz Rosenzucker/ darunder vermische zum fleissigsten ein Loth klein gestossen DIACRYDII. Darvon gibt man ein loth oder anderhalb Loth nach Gelegenheit/ muss aber zuvor ein par Monat alt worden seyn.

Von Rosenhonig

Von den Rosen wirdt auch ein Honig gemacht also: Nimm Rosen die noch nicht gantz aussgeschloffen seyn/ von denen schneide das/ unnd wann du der Blumen ein Pfundt hast/ so geuss darüber geläutert Honig drey Pfundt/ stelle es an die Sonne/ so man die Rosen zerhacket/ (oder in einem Steinen Mörser wol zu dünnem Muss zerstosset/) kompt die Krafft am besten darauss.

(Etliche lassen es ein wenig mit einander sieden/ biss dass der Honig rohtfarb wirdt/ unnd dieses ist MEL ROSATUM NON COLATUM.)

Man kan jhn auch also bereyten: NimmRosenknöpff wie zuvor vermeldet/ ein halb Pfundt/ zerstoss/ siede sie in einer kleiner Mass Regenwasser/ trucke es starck auss/ zu der Brüe thue saubern Rosensafft bey vier Untz/ geläuterts Honig zwey Pfundt/ lass gemachsam zu einer rechten Dick sieden: Dieser ist kräfftiger dann der vorige.

(Etliche damit sie jhn kräfftiger machen/ nemmen sie dess Saffts/ vielmehr dann dess Honigs/ und siedens zu rechter Dicke. Etliche nemmen dess Saffts ein Pfundt/ und zehen Pfund geläuterten Honigs/ und wann es im besten Sudt ist/ vermischen sie vier Pfundt frische Rosenblätter darunder/ und lassens also wol erwallen/ biss die wässerige Feuchte allerdings eyngesotten/ seihen es dann durch. Andere Safft von Blätter jedes anderthalb theil/ zu drey theil Honig/ Aber der beste ist der von Rosensafft bereitet wirdt.)

Dieser Rosenhonig hat ein gelind zusammenziehende Krafft/ kühlet ziemblich/ ist gut wieder die Flüss so von dem Haupt in den Mundt fallen. Wirdt nützlich gebrauchet wieder die Mundfäule/ Breune und andere Versehrung dess Mundts.

Er zertreibet die faule Feuchtigkeit dess Magens/ so von übriger Gallen entstehet/ und lindert auch den Bauch.

Uber das wirdt auch der Rosenhonig gebraucht zu den eusserlichen Schäden unnd Wunden/ dieselbige zu reynigen unnd zu säubern.

Wider die Mundtfäule oder hitzige Geschwär dess Mundts: nimm Wegrich/ Rosen und Taschelkrautwasser jedes ii.Untz/ Rosenhonig/ Maulbeersafft jedes ein Untz/ vermische sie mit einander/ unnd spüle den Mundt darmit.

Wider das Halssschwellen: nim breyt Wegrichwasser und Wein jedes vier Untz/ gebranten Alon ein halb quint. Rosenhonig/ Maulbeersafft jedes ein Untz. Lass ein wenig sieden/ unnd gurgel dich offt darmit. Also auch wann der Halss verschleimet wer/ man nehmen ein Gerstenwasser/ solches mit Rosenhonig vermischen/ unnd wie ein Gurgelwasser gebrauchen.

(In etlichen Apothecken zu Stärckung und Reinigung dess Magens/ bereiten sie jhn also: nemen dess Rosenhonigs fünff Pfundt/ dess besten verschaumpten Honig zwey Pfundt/ unnd Zucker ein Pfundt/ kochen es wie gebräuchig/ nemen MEL ROSACEUM SACCHARINUM.

Von purgierendem Rosenhinig

Den Purgierenden mach also: nimm dess Rosensaffts drey Pfundt und acht Loth/ und mehr halb so viel Honig/ koche es wie gehört: thue dann weiters darzu/ DIACRIDII acht Loth: Mastix i.loth: Oder nimm Honig unnd Rosensafft jedes i.Pfundt/ Pfeffer i.Quintl. Jngwer ein halb Loth/ Scammoneae zwey Loth.

Von Rosen Julep


Die gebräuchlichste Form ist diese: Nimm gedistillierten Rosenwassers 3.Pfundt/ geclarificierten Zuckers ii.Pfundt/ und kochs zu Julep: kület unnd löschet den Durst sehr wol/ so man dessen ein theil unter vier theil frisch Brunnenwasser mischt und trinckt.

Von Rosenwein

Nimm von den gefüllten rothen Rosen/ wann sie noch nicht gar offen sind/ schneide das weiss Bützlein darvon/ thue es in ein Fässlein/ nach dem du den Rosenwein haben wilt/ geuss guten süssen Most darüber/ und lass jhn verjähren/ wann er sich gereyniget/ seyhe jhn durch/ und schlags wol zu: man nimpt gemeiniglich zu sieben Pfundt Most/ ein Pfundt Rosenblätter. Auss den weissen mach also: nim von den schönen weissen gefüllten Rosen/ zwischen zweyen Tüchern an schattechtem Lufft gedörret/ thue in ein Fässlein voll neuwes verjahrens Weins/ gleich wie man pfleget die Sponwein zu machen.

Dieser Wein ist sehr nutz im Sommer/ erkühlet das Hertz unnd jnnerliche Glieder/ verhütet alle Fäulnuss/ ist sonderlich gut den Colerischen/ stillet die Bauchflüss/ stärcket das Gedärm: stillet das bluten dess Zanfleischs/ bringt ein lieblichen Athem.)

Von Rosenessig

Den Rosenessig kan man also machen: Nim der Sammetroten Rosenknöpff/ schneide unden das weiss darvon/ thue sie in ein Glass/ geuss daruber guten Weinessig/ dass sie wol bedecket seyn/ und lass 2.Monat an heisser Sonnen stehen: Wil man jhn stärcker haben/ so kan man uber acht oder zehen Tag als andere frisch Rosen darein thun.

Dieser Essig ist gar gut wider die Ohnmacht und Mattigkeit/ so man daran reucht und jhn anstreichet.

Es nützet auch dieser Rosenessig zur zeit der Pestillentz in der Kost genützet/ die Hände darmit bestrichen und daran gerochen.

Wider die grosse Hitz dess Haupts/ kan man nemen Rosen unnd Lattichwasser jedes drey Untz/ Rosenöl ein Loth/ Rosenessig i.Untz/ ein Eysweiss/ darinn leine Tüchlein weichen/ unnd uber das Haupt schlagen/ solches lindert die Hitz/ legt den Schmertzen/ und kan einen Schlaff machen.

Also auch wider die Hitz dess Hertzens/ und dessen Mattigkeit/ kan man nemen Sawrampffer/ Seeblumen unnd Borragenwasser/ solche mit Rosenessig vermischen/ leine Tüchlein darin netzen/ und uber das Hertz legen/ es ist auch gut/ dass man ein wenig Saffran und Campher darzu neme.

Auff gleiche Weiss mit Rosen/ Endivien und Wegrichwasser vermischet/ unnd uber den hitzigen Magen/ wie auch uber die erhitzte Leber gelegt/ zeucht viel Hitz herauss/ und stärcket die schwache Glieder.

(Mit frdl. Erlaubnis von Herrn Fischbacher)

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